Am 8. Juli 1993 wurde mein Hund irgendwo in Deutschland bei einem Vermehrer geboren.
Mein Mann und ich waren unwissend, wir haben eine Entscheidung getroffen, die wir heute
so nie wieder treffen würden, nie bereut haben. Unsere Tränen hingegen haben Seen überlaufen lassen.
Wir waren uns einig, wir wollten unsere Familie vergrößern, ein Familienmitglied mehr, ein Hund sollte einziehen.
Wir haben uns informiert und für uns war die Entscheidung irgendwann klar, es sollte eine Golden Retriever werden. Das Zeitalter des www. war ja noch nicht angebrochen, also wälzten wir den Stadtanzeiger. Wir studierten die Retriever-Annoncen, telefonierten mit den Züchtern, vieles gefiel uns schon am Telefon nicht, machte nichts, wir hatten ja alle Zeit der Welt.
Irgendwann an einem Samstag fanden wir die Annonce, Retriever-Welpen zu verkaufen. Wir riefen die Züchterin an, sprachen miteinander, stellten viele Fragen und wir vereinbarten einen Termin.
Wir freuten uns auf den Augenblick, die Welpen zu sehen, anzufassen, zu knuddeln und uns für einen zu entscheiden.
Wir waren uns aber zu dem Zeitpunkt nicht einig, sollte es ein Rüde oder eine Hündin werden. Es war egal, wir wollten unsere Herzen entscheiden lassen.
Wir fuhren Richtung Norden, mit dem Vorhaben im Kopf, anschauen, anfassen aber nicht sofort eine Entscheidung treffen. Wir wollten noch einige Züchter besuchen und alles gut überlegen und nicht voreilig entscheiden. Wir wurden sehr freundlich begrüßt und die Züchterin führe uns in die Räume wo die Hunde untergebracht waren.
Es gab viele Junghunde (ca. 3-6 Monate alt) gelbe Labradore, aber von Golden war nichts zu sehen. Wir standen vor der Box mit den jungen Hunden, die aufgeregt gegen die ca. 60 cm hohe Holztüre der Box sprangen. Mein Mann war sehr schnell und verliebte sich in eine junge Hündin, Spontanliebe nennt man das wohl.
Die Hündin war mir zu wild und wir wollten doch einen Welpen, und einen Golden Retriever Welpen. Schnell wurde mir klar, ich muss eingreifen. Schnell wollte ich die Golden Welpen sehen, auch, um aus den Raum mit den Labradoren zu entfliehen. Wir würden weiter geführt und wir blieben vor einem riesigen Zwinger stehen.
Die beiden Welpen waren noch zu vermitteln. Die Hündin wackelte auf uns zu, sie war wirklich niedlich. Hinten in der Ecke, saß ein kleiner runder ruhiger Rüde. Er blieb sitzen, er schaute uns an, mehr nicht. Erst als ich mich vor den Zwinger hockte kam der kleine Kerl langsam aus seiner Ecke direkt auf mich zu.
Dieser Augenblick, dieser Welpe, diese Sehnsucht die ich verspürte, genau du bist es kleiner Mann, diesen Moment werde ich bis zum meinem Lebensende nicht mehr los.
Er war es, genau er, der kleine runde Mann mit den traurigen Augen.
Die Zwinger-Türe wurde aufgeschlossen, ich nahm ihn auf meinen Arm und ich wollte ihn nicht mehr loslassen. Vorbei war es mit dem Plan, schauen, anfassen, knuddeln aber nicht gleich kaufen.
Dieser kleine Mann, brach mein Herz entzwei, ich kann es nicht erklären warum wieso weshalb, es war einfach so.
Mein Mann hatte schon mitbekommen, wie seine Frau auf einer anderen Ebene unterwegs war, jedes seiner Worten hätte mich nicht erreicht.
Wir durften uns noch seinen Papa ansehen, angeblich ein prämierter Champion, ein Traum von einem Golden. Die Mutter haben wir leider nicht kennen gelernt. Ich weiß heute nicht mehr, was die Züchterin als Grund angegeben hatte, ich war mit meinem Welpen auf dem Arm zwar anwesend, wieso habe ich nicht gefragt, wieso war ich nicht wach und interessiert? Mit dem Wissen von heute, verstehe ich mich nicht.
Wir schlossen einen Vertrag ab, wir bezahlten 1.200 DM und fuhren mit unserem Golden-Schatz nach Hause. Wir waren stolze glückliche zufriedene Besitzer eines süßen sehr ruhigen Welpen, 8 Wochen alt.
Am nächsten Tag wurde unser Prinz Dagobert, so nannten wir ihn, krank.
Er behielt keine Nahrung bei sich, er hatte einen schlimmen Durchfall und wir waren krank vor Sorge.Gut, dass wir umgehend zu unserer TÄ gefahren sind, die Diagnose Parvo (auch genannt Katzenseuche).
Er wurde intensiv behandelt, bekam Infusionen, bekam Paste die wir ihm mit dem Finger unter den Gaumen schmierten (eigenständig fressen wollte er nicht). Seine Chancen standen 50:50, hopp oder top, wir waren verzweifelt. Wir riefen die Züchterin an, teilten ihr mit, dass ihr Welpe sterbenskrank ist. Die Antwort die wir bekamen, ließ uns das Blut in den Adern erstarren. " Bringen sie ihn zurück und sie können sich einen anderen Hund aussuchen".
Vermehrer Geschwätz wie ich heute weiß, damals wünschte ich ihr die Pest an den Hals, für diese herzlosen Worte.
Nein, wir gaben ihn selbstverständlich nicht zurück, wir behielten ihn, sorgten uns weiter um ihn, ließen ihn nachts auf unserem Bauch schlafen, wir ließen ihn keinen Augenblick alleine. Nach 14 Tagen und über 1.000 DM Tierarztkosten später, war unser Prinzemann 3 kg leichter, aber über den Berg. Er hatte es geschafft, unser Herzhund, unser kleiner dünner Sonnenschein, unsere große Liebe Prinz Dagobert.
Ich könnte so weiter schreiben, jede kleine Folgekrankheit im Detail aufschreiben, nichts haben wir von all den Sorgen und Problemen vergessen, keinen einzigen Moment.
Ich fasse mich jetzt aber kurz, obwohl ich ein Buch schreiben möchte.. Aufgrund der schweren Krankheit entwickelte sich Prinz Dagobert zu einem außergewöhnlichen Hund. Er war in jeder Hinsicht außergewöhnlich.
Auch seine Krankheiten, zum Teil Folgekrankheiten durch die Parvo.
Im ersten Lebensjahr habe ich jeden Tag für ihn gekocht. Er vertrug kein Trockenfutter, das beste Dosenfutter war nicht gut genug für ihn, er erbrach es, also Schonkost in Muttis Küche zubereitet. Sein Magen war kaputt.
Hinzu kam aller schwerste HD, schwere ED, Athrose in jedem Gelenk seines Körpers, die Diagnose im Alter von 1 Jahr. Wir ließen ihn vergolden, Hüfte beidseitig, Ellebogen, Pfoten, Hinterhand-und Pfoten.
Die Goldimplantate waren sein großes Glück, er konnte schmerzfrei laufen und wir genossen das Leben mit ihm. Er war ein klasse Hund. Wir machten mir ihm die BHP wir arbeiteten mit ihm immer nur so viel wie er wollte und konnte.
Schwimmen war seine Leidenschaft und wir fuhren überall mit ihm hin, damit er schwimmen durfte und konnte. Er begleitete uns auf unseren Auslandseinsätzen, betätigte sich selber in dem Camp als Therapiehund, indem er „Angsthasen“ eigenständig und ohne mein dazutun therapierte.
Im Alter von 6 Jahren diagnostizierte die TÄ Blasentumore. Schon wieder gab es einen Feind den wir bekämpfen mussten. Im Alter von 7 ½ Jahren hatte er von Zeit zu Zeit Nasenbluten. Im Ersten halben Jahr nur einseitig, später dann blutete er, wenn auch nur kurz, aus beiden Nasenlöchern. Unsere TÄ teilte uns mit, dass sie einen Hirntumor
vermutete. Hirntumor, nicht auch noch das. Das war ein Feind, den konnten wir nicht bekämpfen. Dafür gab es keine Medizin, dagegen waren wir machtlos.
Prinz verstarb am 10.02.2002. Es war Rosensonntag, Karneval in Köln. Wir gingen morgens los, waren ein paar wenige Schritte im Park und plötzlich schoss das Blut aus seinen Nasenlöchern. Es war ein Blutschwall, ein Alptraum.
Meine Freundin nahm meine Cleo mit und ich raste mit ihm nach Hause. Bis ich ihn im Auto hatte glich der Gehweg vor unserem Haus einem Schlachtplatz.
Prinz Dagobert ging noch schwanzwedelnd mit mir durch die Kliniktür, nicht mehr so kräftig, geschwächt durch den Blutverlust aber auf seinen eigenen Füßen und zuversichtlich, mir wird geholfen und gleich gehen wir wieder heim.
10 Minuten später folgte ein Hirnschlag und mein über alles geliebter Prinz Dagobert konnte nicht mehr mit mir nach Hause. Die Blutung konnte nicht mehr gestillt werden. Nach dem Hirnschlag lag er leblos auf dem kalten Behandlungstisch, meine Worte erreichten ihn nicht mehr, sein Hirn war abgestorben.
Der Tumor war sein Ende.
Prinz Dagobert, nur ein Hund unter vielen?
In den Augen der „Züchter“ vielleicht.
Er hat mich gelehrt hinzuhören, hinzuschauen und auch darüber zu schreiben und darüber zu sprechen.
Im Übrigen, seine Züchterin ist in ein anderes Bundesland gezogen.
Sie züchtet heute nur noch Edel-Katzen ?!?!?
Ab und zu verkauft sie Welpen, ohne zu züchten.
Welpen auf Bestellung, Frau züchtet nicht mehr selber,
Frau lässt die Welpen nach Hause bringen.
Woher sie kommen, ich kann es mir denken.
Solange die Menschen, so wie wir damals unwissend kaufen, funktioniert
das Geschäft ausgezeichnet. Heute aber kaufen die Menschen im www.
Das Gebot es nicht zu tun um das Leid nicht zu vermehren, finden diese
Menschen wenn sie wollen, aber auch im www.
Warum schauen sie nicht besser hin, warum wird ein Möbel, ein Auto
langfristiger geplant, sorgfältig ausgesucht und der Kaufentscheid auf
lange Sicht hin geplant und umgesetzt. Warum bei einem Lebewesen nicht,
das uns im günstigsten Fall 14 Jahre begleitet und mit jedem Jahr wertvoller
und schöner wird.
Gebrauchsgegenstände hingegen nicht.
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